Ode an das Brot

von th (Kommentare: 1)

Brot geht selten in der Einzahl auf. Ganz kleine Brote werden Brötchen genannt, in Bayern Semmeln. Für die Mehrzahl eines ausgewachsenen Brotes hängt man hinten ein e an: Brote, nicht Brotesen ! Brotesen-Träger Träger haben Schwierigkeiten mit den knusprigen Umlaibungen und schneiden deshalb das Beste ab: die Rinde.

Hameln staubt auf eine über 900 Jahre alte Historie als Mühlenstadt zurück. Seitdem haben Hamelner (Mehrzahl) nur Mehl im Kopf. Wir besitzen eine Bäckerstraße, die direkt auf den Pferdemarkt führt. Dort stand einmal das barocke Rathaus, dahinter steht noch immer das Hochzeitshaus, nur noch selten Pferde. Dazwischen gab es eine kleine Zwietsche und zwietschte einen Bäckerscharren ein, in dem im Wechsel Bäcker ihr Brot verkauften. Altes, liegengebliebenes Brot wurde dann an Markttagen an die hufescharrenden Pferde verfüttert. Die Bäcker aus der Bäckerstraße brauchten also nicht weit zum Scharren und transportierten deshalb mit Ponys. Ein Ponymarkt ist nicht erhalten, nur zwei Brot-Steine mit dem Sinnspruch in Gold: „Hat der Bäcker Brot – hat Brot die Stadt“. So, so.

Heute gibt es keinen Bäcker mehr in besagter Straße, sondern nur noch 1 Euroshops – so muss man halt selber backen.
Regine, die ich, mit Mehl im Kopf, im Hochzeitshaus heiratete, ist nun zum Backwahn konvertiert:

Im ganzen Haus stehen brodelnde Sauerteig-Ansätze herum, die teils explodieren und neu tapezieren. Brot gibt es im Übermaß, die Reste muss immer ich aufessen, weil wir kein Pferd besitzen. Katzen fressen kein Brot.

Ich nutze dafür einen Broatster (von Toaster), der auf einem Backbuch-Regal mit 42 Brotback-Büchern steht. Die Vielfalt an Rezepturen ist enorm: Da gibt es Kartoffelbrot, Karottenbrot (für Pferde!), Gersterbrot, Zitronen-Apfelbrot, Bierbrot, Sieben-Kornbrot (welches dann in der Brotese hängt), Kürbiskernbrot (gut bei Prostata-Beschwerden), Zwiebelbrot (verdaungsfördernd), das Butter- und Käsebrot.

Ebenso vielfältig ist die Farbe, Konsistenz und Form der Backwaren: Schwarz- und Weißbrot, Quarkbrot, Knäckebrot, eingefallenes Brot, auch Fladenbrot genannt, Stein-und Klietschbrot und Brote, die jeder Beschreibung spotten (Sprottenbrot).

Es gibt auch flüssiges Brot, welches Hopfentee oder Bier genannt wird. Gemein ist allen Surrogaten ein hoher Anteil an Kohlehydraten, die zwar rasch für Energie sorgen, aber im Übermass zu einem Bier-oder Brotbauch führen. Selbst Luther, der Wasser statt Bier predigte, etliche Gebrote an eine Kirchentür nagelte, soll zuletzt einen stattlichen Laibesumfang gehabt haben.

Als Urvater des Brotestantismus soll ihm das verziehen werden. Selber ein Brotestant, kann ich so gut über meinen Bauch hinweg schauen.

„Brost, Mahlzeit!“

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